Press conference for the opening of INHORGENTA

Große Werte in einer veränderten Welt Bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Inhorgenta zeigt sich Zuversicht in angespannten Zeiten.

Traditionell gibt zu Beginn der Inhorgenta die Schmuck- und Uhren-Branche Einblick in die Geschäftsentwicklung des vergangenen Jahres und ihre Erwartungen für die Zukunft. Auch die Zahlen der Messegesellschaft und ihr Ausstellungs-Konzept zeigen, wohin es mit der Branche geht.

Inhorgenta-CEO Stefan Rummel

Eine wesentliche Innovation der diesjährigen Messe sei der Schnee, scherzte Inhorgenta-CEO Stefan Rummel am Freitagmorgen zu Beginn der Pressekonferenz. Tatsächlich war das Gelände in eine bizarre Winterlandschaft verwandelt. Aber er hatte dann wirklich bedeutende neue Features zu vermelden. Das erste war sinnfällig: Zum ersten Mal fand die Konferenz mitten im Geschehen statt, in der Halle B2, und machte dabei gleich deutlich, worauf die Inhorgenta immer mehr Wert legt: auf Begegnung und die Rolle als Gastgeber, der Luxus erfahrbar und Storytelling möglich macht.

Dafür wurde die diesjährige Messe – mit dem Leitmotiv „Craftmanship“ – als lebendige Werkstatt ausgerichtet, vielerorts lässt sich Handwerk aus nächster Nähe beobachten.

Die Eckdaten der Veranstaltung sind, nach Wachstum in den vergangenen Jahren, stabil: 900 Aussteller, 1200 Brands aus 35 Ländern präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen in sechs Hallen. Die Messeleitung erwartet 25.000 Fachbesucher. Dabei merkte Rummel an, dass die Zahl der deutschen Aussteller weiterhin zurückgehe. Bei den ausländischen Unternehmen liege Italien vor Indien und China, und die Messe verstärke ihre Allianzen mit Frankreich, Polen und Rumänien. Bemerkenswert ist sicherlich auch die erneute Kooperation mit der schweizerischen FHH, die mit den Marken Piaget und Oris vertreten ist.

International gesehen sei die Inhorgenta ein „Tor nach Europa“ und zu seinen noch immer finanzkräftigen Märkten, so Stefan Rummel.

Branche stellt sich den Herausforderungen

Dr. Guido Grohmann
Stephan Lindner

Dr. Guido Grohmann, Geschäftsführer des Industrieverbands Schmuck und Uhren, sieht glänzende Zahlen bei anspruchsvoller operativer Lage. Er wies darauf hin, dass die zuletzt kräftig gestiegenen Ausfuhrumsätze wesentlich auf die gestiegenen Edelmetallpreise zurückzuführen seien und deshalb keineswegs höhere Margen bedeuteten, sondern eher stärkeren Kalkulationsaufwand und die Arbeit mit preissensibleren Kunden. 2025 sei deshalb ein Jahr des „bewussten Konsums“ gewesen.

Hinzu komme Anpassungsdruck durch eine angespannte geopolitische Lage und gestiegene regulatorische Anforderungen. Allerdings beobachte er, wie souverän die Branche mit den Herausforderungen umgehe, und sei deshalb eher optimistisch.

Stephan Lindner, Präsident des Handelsverbands Juweliere, sieht im Einzelhandel den Umsatz auf hohem Niveau stetig wachsen.

Nicht zuletzt weil sich die Kundschaft von den gestiegenen Edelmetallpreisen momentan nicht verschrecken lasse. Für viele gelte die Haltung “Wenn, dann richtig!“.

Dazu zeigte sich Lindner überzeugt, dass die Dominanz des stationären Fachhandels erhalten bleibe; dem Online-Geschäft habe man eines voraus: Die Branche verkaufe Emotionen, und darin sei das persönliche,, beratende Gespräch nicht zu übertreffen.

Probleme sieht er für die Innenstadt-Juweliere eher in einer Verkehrspolitik, die autofahrende Kunden von den Zentren fern halte und nun einem eklatanten Nachwuchsproblem: Viele Geschäftsinhaber fänden vor ihrem Ruhestand keine geeigneten Nachfolger.

Messe als Ort der Begegnung

Jenseits der Zahlen haben die Verbände auch beobachtet, was gerade im Trend liegt:

Goldschmuck sei wichtig, sagt Lindner, da spornten die steigenden Preise manche Käufer an. Und besonders viel Interesse gebe es zurzeit bei Gelbgold.

Guido Grohmann sieht beim Schmuck eine Hinwendung zu weichen, organischen Formen und warmen Farbtönen. Und auch bei den Uhren zeige sich in der Renaissance der klassischen Dreizeigeruhr der Wunsch nach mehr Dezenz.

Das passt zu den nach seiner Auffassung marktbestimmenden Themen der Zeit: bewusster Luxus, Herkunft, Qualität, Langlebigkeit.

Auf genau diese Werte geht die Inhorgenta in diesem Jahr ein, schließlich seien sie alle erfahrbar beim Thema Craftmanship, auf das in diesem Jahr der Fokus liegt. Stefanie Mändlein, Exhibition Director des Messe, hat vor Augen, das sich die Welt verändert habe, und will die Veranstaltung zu einem Ort der Begegnung machen. Auch dafür taugen die über 30 Stationen, an denen in Live-Präsentationen Uhrmacher, Goldschmiede, Graveure und Edelsteinfasser ihre handwerkliche Expertise demonstrieren.

Hinzu kommt das Rahmenprogramm auf drei Bühnen und über 25 Eventflächen für Veranstaltungen wie zum Beispiel die Watch Talks und das neue Edelmetallforum: Raum für Diskussionen und neue Kontakte.

Wegen des neuen Konzepts ließe sich schon während der Pressekonferenz beobachten, wie sich die Gänge füllten und die Messestände belebten. Auch das stimmte sehr zuversichtlich.

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