Auf ein Wort mit Stefanie Mändlein

Mit der INHORGENTA prägt sie seit Jahren eine der wichtigsten Plattformen der europäischen Schmuck-, Uhren- und Edelsteinbranche:

Stefanie Mändlein verantwortet als Exhibition Director die strategische Ausrichtung der Messe und begleitet ihre kontinuierliche Weiterentwicklung. Seit über einem Jahrzehnt ist sie Teil des INHORGENTA-Teams und hat in dieser Zeit entscheidend dazu beigetragen, die Veranstaltung als internationalen Branchentreffpunkt, Impulsgeber und Netzwerkplattform zu positionieren.

Im Interview spricht sie über die Rolle der INHORGENTA im aktuellen Marktumfeld, über Verantwortung, Perspektiven und die Frage, wie sich eine Leitmesse in Zeiten des Wandels weiterentwickeln muss, um Orientierung, Relevanz und Inspiration zu bieten.

Die Wirtschaftliche Lage

INSIGHT INHORGENTA: Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland und Europa: Beobachten Sie aus Ihrer Perspektive als Messeveranstalterin eine veränderte Haltung in der Branche – etwa mehr Zurückhaltung, stärkere Fokussierung oder eine bewusstere Investition in Qualität und Profilierung – und wie spiegelt sich das auf der INHORGENTA wider?

Stefanie Mändlein:

„Ja, wir beobachten eine insgesamt bewusstere, strategischere Haltung in der Branche: Budgets werden sorgfältiger eingesetzt, Entscheidungen später, aber fundierter getroffen. Gleichzeitig sehen wir eine klare Fokussierung auf Qualität, Profilierung und persönliche Begegnung statt reiner Präsenz – Messen müssen heute echten Mehrwert liefern. Auf der INHORGENTA zeigt sich das durch klare Segmentierung, präzise kuratierte Inhalte, die Orientierung geben und immer wieder neue Impulse setzen. “

Thought Leadership & Marktindikatoren

INSIGHT INHORGENTA: Die INHORGENTA versteht sich als europäische Leitmesse und Thought Leader der Branche. Welche Trends und Stimmungen lassen sich bereits im Vorfeld aus Anmeldungen, Rückkehrern – aber auch aus Absagen – ablesen, und was sagen diese Signale über die aktuelle Entwicklung der Schmuck- und Uhrenbranche aus?

Stefanie Mändlein:

„Anmeldungen und Rückkehrer zeigen uns zwei Linien. Erstens: Internationalität nimmt weiter zu, sowohl bei Marken als auch beim Handel. Zweitens: Programme mit klarem Profil gewinnen. Wer wiederkommt, tut das, weil die Messe Nutzen stiftet – Reichweite in der richtigen Zielgruppe, Sichtbarkeit im passenden Umfeld, Zugang zu Wissen. Absagen sind seltener strategische Richtungswechsel als Kapazitätsfragen. Insgesamt lesen wir einen Markt, der selektiv investiert, gleichzeitig aber Chancen sucht: tragbare Kollektionen mit Haltung, transparente Materialien, stärkerer Service. Genau dafür bieten wir eine Bühne, die Inspiration mit konkretem Business verbindet.“

Das Leitthema der INHORGENTA 2026: Craftsmanship

INSIGHT INHORGENTA: Craftsmanship steht heute für Herkunft, Können und Qualität, zugleich aber auch für Innovation und wirtschaftliche Relevanz. Welche Bedeutung messen Sie handwerklicher Exzellenz als strategischem Erfolgsfaktor für Marken bei – gerade in einem nach wie vor globalen und preisgetriebenen Marktumfeld?

Stefanie Mändlein:

„Handwerk ist kein nostalgisches Thema, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Exzellentes Machen schafft Vertrauen, rechtfertigt Preis und differenziert in gesättigten Märkten. Gleichzeitig ist Craftsmanship ein Motor für Innovation, weil gute Lösungen aus dem Zusammenspiel von Können, Technologie und Materialverständnis entstehen. Auf der INHORGENTA zeigen wir diese Verbindung: auf Sonderflächen, in Live-Formaten und in Gesprächen, die Technik verständlich machen. Marken, die Herkunft und Fertigung nachvollziehbar erklären, gewinnen im Handel wie beim Endkunden. Unser Ziel ist, diese Qualität sichtbar zu machen und damit die Investitionssicherheit auf beiden Seiten zu erhöhen.“

Europa als Kompetenzzentrum

INSIGHT INHORGENTA: Europa gilt traditionell als Kompetenzzentrum für handwerkliche Exzellenz in Schmuck und Uhren. Sehen Sie diese Rolle aus heutiger Sicht langfristig gesichert – oder beobachten Sie, dass Know-how, Produktion und kreative Kompetenz auch in dieser Branche zunehmend in andere Regionen abwandern?

Stefanie Mändlein:

„Europa bleibt Referenz für feine Uhrmacherei und Schmuckhandwerk, weil hier Ausbildungswege, kulturelles Erbe und industrielle Kompetenz zusammenkommen. Gleichzeitig ist das Ökosystem globaler geworden. Zulieferketten diversifizieren sich, Kreative arbeiten internationaler. Wir sehen darin keine Schwächung, sondern eine Chance, europäische Stärken neu zu definieren: Ausbildung, Reparatur und Service, meisterhafte Fertigung, verantwortungsvolle Beschaffung und Design mit Haltung. Die INHORGENTA vernetzt diese Kompetenzen mit internationalen Partnern und hält das Wissen im Markt. So sichern wir langfristig Relevanz, ohne die Augen vor globalen Entwicklungen zu verschließen.“

Entwicklung der Messe & Wissensplattform

INSIGHT INHORGENTA: Die INHORGENTA entwickelt sich zunehmend von der klassischen Produktmesse zu einer Informations- und Austauschplattform – etwa durch Leitthemen, Partnerschaften wie mit der Fondation Haute Horlogerie, durch ein starkes Rahmenprogramm und einer bedeutenden Auszeichnung, dem INHORENTA-Award. Welche strategische Rolle spielen solche Kooperationen und Inhalte für die Weiterentwicklung der Messe?

Stefanie Mändlein:

„Als Leitmesse sind wir heute Produkt- und Wissensplattform zugleich. Strategische Kooperationen und kuratierte Inhalte sind dafür zentral. Die Zusammenarbeit mit der Fondation Haute Horlogerie macht Uhrmacherkultur erlebbar und hebt Gespräche auf ein neues Niveau. TRENDFACTORY und WATCH TALKS übersetzen Expertise in Handlungswissen, das der Handel am nächsten Tag nutzen kann. Der INHORGENTA AWARD bündelt Sichtbarkeit und setzt Qualitätsmaßstäbe. Diese Bausteine zahlen auf ein Ziel ein: Orientierung geben, Marktvertrauen stärken und Investitionen beschleunigen. So entwickeln wir die INHORGENTA konsequent weiter – als Ort, an dem Kreativität, Qualität und Geschäft zusammenfinden.“

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