Langfrist-Analyse von Chrono24: Rolex nicht unter den Pre-owned-Gewinnern

16 Uhrenmodelle haben seit 2018 auf dem Online-Uhrenportal Chrono24 ihren Wert teilweise mehr als verdoppelt und legten auch nach dem Ende des Booms (2022) weiter zu. Darunter befindet sich keine einzige Rolex.

Überraschungssieger ist stattdessen die „Tank Vermeil“ von Cartier, welche mit plus 299 Prozent die Chrono24-Rangliste anführt – und war 2018 noch im dreistelligen Bereich zu haben. Die Analyse der Chrono-24-Daten seit 2018 ergab, dass die stärksten Wertsteigerungen nicht bei den teuersten Uhren zu finden sind, sondern bei Modellen, die 2018 im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich lagen.

Chrono24: Die größten Gewinner seit 2018 sind weder die teuersten noch die bekanntesten Uhren.

Für die Untersuchung haben die Datenanalysten von Chrono24 die Preisentwicklung mehrerer Tausend Uhrenmodelle über zwei Zeiträume ausgewertet: die vergangenen acht Jahre (2018–2026) sowie die vergangenen vier Jahre (2022–2026).

Die Methodik erfasst damit sowohl den spekulativen Corona-Boom als auch die anschließende Korrektur und filtert gezielt jene Modelle heraus, deren Wert nicht nur langfristig stieg, sondern die auch im Marktumfeld der letzten vier Jahre weiter an Wert gewannen.

Die Top-Performer: Erschwingliche Klassiker statt teure Ikonen

Die Rangliste der stärksten Wertsteigerungen widerspricht einer verbreiteten Annahme: Wer 2018 auf langfristigen Werterhalt setzen wollte, musste dafür keine fünfstelligen Summen investieren. Im Gegenteil – viele der besten Performer waren damals im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich zu haben.

Die „Tank Vermeil“ (Ref. 1613) von Cartier führt mit einem Plus von 299 Prozent die Rangliste an – bei einem Einstiegspreis, der 2018 noch im niedrigen dreistelligen Bereich lag.

Die „Panthère“ in Bicolor (Ref. 1057917) von Cartier verzeichnete ein Plus 208 Prozent und die „Panthère „in Gelbgold (Ref. 1070) ein Plus von 218 Prozent. Auch Omega platziert sich mit mehreren Modellen: Die „Speedmaster“ (Ref. 3310.10) legte um 119 Prozent zu, die „Seamaster Aqua Terra“ (Ref. 2517.30) um 83 Prozent.

Insgesamt finden sich unter den Top 20 der stärksten Wertsteigerungen zehn Cartier-Referenzen, fünf von Omega und zwei von Jaeger-LeCoultre – aber keine einzige Rolex.

Der Rolex-Mythos im Realitätscheck

Rolex bleibt die mit Abstand bekannteste und meistgehandelte Marke auf dem Sekundärmarkt. In der Rangliste der ununterbrochenen Wertsteigerungen auf Chrono24 taucht die Marke jedoch erst deutlich weiter hinten auf. Die „Datejust 41“ (Ref. 126334) – eine der umsatzstärksten Rolex-Referenzen auf Chrono24 – verzeichnete ein Plus von 59 Prozent seit 2018. Solide, aber weit entfernt von den dreistelligen Zuwächsen der Spitzengruppe.

Der Grund: Rolex-Modelle waren 2018 bereits vergleichsweise hoch bewertet und wurden während der Corona-Jahre besonders stark von spekulativer Nachfrage getrieben. Nach dem Ende des Booms stabilisierten sich die Preise auf einem hohen Niveau oder gaben leicht nach – Raum für dreistellige Renditen blieb kaum.

Der Corona-Stresstest

Die Chrono24-Analyse deutet die Corona-Blase als natürlichen Stresstest. Zwischen 2020 und 2022 explodierten die Preise vieler bekannter Modelle – getrieben nicht von Sammlern, sondern von Spekulanten, die Uhren wie kurzfristige Finanzprodukte behandelten.

Die anschließende Korrektur traf die am stärksten gehypten Modelle besonders hart: Die „Nautilus“ (Ref. 5712/1A) von Patek Philippe verlor seit dem Höhepunkt 2022 rund 45 Prozent, notiert aber immer noch fast dreimal so hoch wie 2018. Die „Overseas“ (Ref. 4500V) von Vacheron Constantin gab mehr als die Hälfte ihres Spitzenwerts wieder ab. Die „Big Bang“ (Ref. 301.SB.131.RX) von Hublot profitierte nicht einmal vom Boom und verlor seit 2022 weitere 20 Prozent.

Die 16 Modelle, die sich über beide Zeiträume hinweg mehr als verdoppelten, zeichnen sich dagegen durch eine gemeinsame Eigenschaft aus, erläutert Chrono24: Ihr Wertzuwachs wurde nicht durch Spekulation, sondern durch eine organisch wachsende Nachfrage getragen, die auch der Marktkorrektur standhielt.

Ausblick

Der Blick auf den Chrono24-Marktindex ChronoPulse zeigt einen positiven Trend. Während der Index auf 1-Jahres-Sicht ein Plus von 2,5 Prozent verzeichnet, hat die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte deutlich zugenommen: In den letzten sechs Monaten legte der Markt um 5,2 Prozent zu. Auch kurzfristig setzt sich dieser Aufwärtstrend stabil fort (+2,9 % in 3 Monaten, +1,2 % im letzten Monat), was auf eine Rückkehr der breiten Käufernachfrage hindeutet.

„Diese Analyse räumt mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: Man braucht keine fünfstellige Investition in eine ‚Nautilus‘ oder ‚Royal Oak‘, um eine Uhr zu kaufen, die langfristig im Wert steigt. Einige der besten Performer der vergangenen acht Jahre waren 2018 für einen Bruchteil dessen zu haben. Was diese Modelle verbindet, ist nicht ihr Preis, sondern ihre Substanz: ikonisches Design, das über Jahrzehnte Bestand hat, und eine Nachfrage, die nicht von Wartelisten abhängt, sondern von echtem Sammlerwert.“

Balazs Ferenczi, Head of Brand Engagement Chrono24


Methodik: Der Bericht basiert auf der Analyse der Verkaufspreisentwicklung mehrerer Tausend Uhrenmodelle auf dem globalen Online-Marktplatz von Chrono24. Verglichen wurden die durchschnittlichen Verkaufspreise aus dem Februar 2018 und dem Februar 2022 mit den aktuellen Verkaufspreisen (Februar 2026). Die Rangliste der stärksten Wertsteigerungen umfasst ausschließlich Modelle, die sowohl im 8-Jahres-Zeitraum (2018–2026) als auch im 4-Jahres-Zeitraum (2022–2026) eine positive Preisentwicklung verzeichneten.

chrono24.de

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