BVSU-Hauptgeschäftsführer Guido Grohmann zur aktuellen Lage der deutschen Schmuck- und Uhrenindustrie

BVSU auf der Inhorgenta 2026: Halle C2, Stand 51

Die jüngsten statistischen Zahlen der deutschen Schmuck- und Uhrenindustrie für den Monat November 2025, welche vom Bundesverband Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien e. V. (BVSU) herausgegeben werden, sind gar nicht mal so schlecht. Dennoch macht die weltwirtschaftliche Lage auch den hiesigen Schmuck- und Uhrenherstellern zu schaffen, wie Hauptgeschäftsführer Guido Grohmann auf Anfrage von Insight Luxury erläutert.

Vor allem im Vergleich zum Vorjahresmonat kann sich der November 2025 durchaus sehen lassen, wie die Zahlen vom BVSU zeigen. Der Export von Schmuck aus Deutschland legte um 9,5 Prozent und der von Uhren um 4,5 Prozent zu. Eigentlich Anlass, für Optimismus.

Es gibt aber ein großes Aber, wie Guido Grohmann erläutert. Und das – wie kann es anders sein – hat mit den (vorerst abgewendeten) Zoll-Kapriolen des Donald Trump zu tun, aber auch mit den „Explosionen bei den Rohstoffpreisen“.

„Viel entscheidender als irgendwelche Zölle sind für uns jedoch die geopolitischen Spannungen und die damit einhergehenden Explosionen bei den Rohstoffpreisen.“

Guido Grohmann, BVSU Hauptgeschäftsführer

Drastische Zollsätze, indirekte US-Importe, explodierender Goldpreis

„Für die deutsche Schmuck- und Uhrenindustrie ist die Situation sehr unübersichtlich. Zum einen ist zu erwarten, dass sich in der Entwicklung der Fakten laufend Änderungen ergeben werden. Zum anderen sorgen die unterschiedlichen, zum Teil drastischen Zollsätze für andere Länder für schwer zu überblickende Verwerfungen in der globalen Lieferkette.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die USA zwar bei weitem nicht unser stärkster Exportmarkt sind, aber einer mit Bedeutung. Viel entscheidender ist jedoch die Tatsache, dass unsere stärksten Abnehmer in Frankreich, Italien und in der Schweiz sitzen. Von den in diese Länder exportierten Waren und Zuliefererteile fließen zu einem nicht unerheblichen Teil in Fertigwaren dieser Länder ein. Somit kann es sich bei Exporten in unsere wichtigsten Märkte teilweise um indirekte Exporte in die USA handeln.

Dass mögliche Maßnahmen der USA und mögliche Gegenreaktionen negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, auf Börsen und Märkte und somit auch nachgelagert auf das globale Konsumverhalten haben werden, liegt auf der Hand und ist ja jetzt schon eindrucksvoll zu beobachten. Die Gesamtauswirkungen können zu diesem Zeitpunkt jedoch durch uns nicht seriös bewertet werden. Wir werden in den nächsten Wochen abwarten müssen, wie es weitergeht.

Heute beginnt das Weltwirtschaftsforum in Davos und der Goldpreis schnellt auf unglaubliche 140 Euro pro Gramm. Wenn man sich die Auswirkungen dieser Entwicklungen ausmalt, dann treten die Auswirkungen von Zöllen, welcher Art auch immer, fast schon in den Hintergrund.

„Fakt ist, dass wir neue Märkte erschließen müssen. Das Mercosur-Ankommen und das Handelsabkommen mit Indonesien sind hierbei erste wichtige Schritte. Am wichtigsten ist jedoch aus meiner Sicht, dass wir unsere heimischen Märkte stärken. Das macht die europäischen Fachmessen, insbesondere die kommende Inhorgenta 2026, für uns so wichtig.“

Guido Grohmann, BVSU-Hauptgeschäftsführer

bv-schmuck-uhren.de

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